Wer sicher auf Schnee und Eis fahren will, kommt um eines nicht herum: Übung unter kontrollierten Bedingungen. Kaum jemand steht dafür so sehr wie Rallye-Legende Walter Röhrl, der seit Jahrzehnten bei Wintertrainings zeigt, wie sich ein Auto auch dann noch präzise steuern lässt, wenn die Fahrbahn längst keinen Grip mehr bietet. Auf 4x4autos.de schauen wir uns an, was Röhrls Eistraining mit Allradantrieb zu tun hat, welche Porsche-Modelle dabei zum Einsatz kommen und was du selbst aus der Praxis der Profis für den eigenen Winteralltag mitnehmen kannst.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
- Walter Röhrl ist zweifacher Rallye-Weltmeister (1980 und 1982) und gewann die Rallye Monte Carlo vier Mal – beides Wettbewerbe, bei denen Fahrkönnen auf Schnee und Eis über Sieg oder Niederlage entscheidet.
- Bei Wintertrainings mit Porsche-Modellen wie Carrera 4 GTS, Macan GTS und Panamera 4 zeigt sich der Unterschied zwischen den Allradsystemen besonders deutlich, da Grip auf Eis und Schnee ohnehin knapp ist.
- Der elektronisch geregelte Allradantrieb Porsche Traction Management (PTM) ist bei diesen Modellen die technische Basis dafür, dass sich das Fahrzeug trotz kaum vorhandenem Reibwert noch kontrollieren lässt.
Warum ausgerechnet Walter Röhrl fürs Eisfahren steht
Walter Röhrl gilt als einer der vielseitigsten Rallyefahrer der Geschichte, mit einer besonderen Stärke auf winterlichem Untergrund. Seine vier Siege bei der Rallye Monte Carlo – einem Wettbewerb, der traditionell über vereiste Passstraßen in den französischen Alpen führt – sind bis heute Referenz dafür, wie viel Fahrkönnen auf Schnee und Eis den Unterschied machen kann. Diese Erfahrung gibt Röhrl seit Jahren bei Fahrertrainings weiter, bei denen Teilnehmer unter sicheren Bedingungen lernen, wie sich ein Auto bei minimalem Reibwert verhält – und wie man es trotzdem kontrolliert bewegt.
Bei solchen Trainings kommen typischerweise mehrere Porsche-Modelle mit unterschiedlichen Antriebskonzepten zum Einsatz, darunter Fahrzeuge mit Porsche Traction Management (PTM) wie der 911 Carrera 4 GTS, der Macan GTS und der Panamera 4. Der direkte Vergleich mit heckgetriebenen Modellen wie dem Cayman macht dabei besonders anschaulich, welchen Unterschied der Allradantrieb unter extremen Bedingungen tatsächlich ausmacht.

Warum Allradantrieb beim Eisfahren den entscheidenden Unterschied macht
Auf Eis und tief verschneiter Fahrbahn sinkt der verfügbare Reibwert zwischen Reifen und Untergrund auf einen Bruchteil dessen, was auf trockenem Asphalt möglich ist. Genau hier zeigt sich, warum ein Allradsystem wie PTM unter diesen Bedingungen einen spürbaren Sicherheitsgewinn bringt: Weil die Antriebskraft auf beide Achsen verteilt wird, muss jedes einzelne Rad weniger Kraft übertragen, bevor es durchdreht. Beim Herausbeschleunigen aus einer Kurve auf Schnee kann ein Allradfahrzeug dadurch deutlich früher wieder Vortrieb aufbauen als ein vergleichbares Modell mit nur einer angetriebenen Achse, bei dem die Räder schneller durchdrehen und der Vortrieb abreißt.
Das ändert aber nichts an den Grundregeln der Physik: Auch mit Allradantrieb bleibt die Bremswirkung auf Eis stark eingeschränkt, und beim Lenken reagiert das Fahrzeug träger und später als gewohnt. Genau deshalb ist ein Wintertraining so wertvoll – es vermittelt ein Gefühl dafür, wie früh man einlenken, wie sanft man Gas geben und wie ruhig man auf einsetzenden Schlupf reagieren muss, unabhängig davon, ob das eigene Auto Allrad- oder Zweiradantrieb hat. Ein Allradsystem verschiebt die Grenzen nach oben, hebt sie aber nicht auf: Wer auf Eis zu schnell unterwegs ist, verliert die Kontrolle so oder so.
Bei den in Röhrls Trainings eingesetzten Porsche-Modellen zeigt sich zudem, wie unterschiedlich sich ein und dasselbe Allradsystem je nach Fahrzeugkonzept anfühlt: Der leichtere, heckbetonte Carrera 4 GTS verhält sich auf Eis spürbar anders als der schwerere Macan GTS oder die komfortorientierte Panamera 4 – ein direkter Praxisbeweis dafür, dass Allradantrieb allein noch kein Garant für ein bestimmtes Fahrverhalten ist, sondern immer im Zusammenspiel mit Gewicht, Schwerpunkt und Fahrwerksabstimmung funktioniert.

Eisfahren üben: Wie ein Wintertraining typischerweise abläuft
Ein klassisches Eis- und Schneetraining beginnt in der Regel mit einer langsamen Eingewöhnung: Die Teilnehmer bekommen zunächst ein Gefühl dafür, wie stark sich das Fahrverhalten gegenüber trockenem Asphalt verändert, oft mit einfachen Übungen wie Anfahren, Bremsen und langsamen Kurven auf präpariertem Eis. Erst danach folgen anspruchsvollere Elemente: Vollbremsungen aus höherem Tempo, Ausweichmanöver und Slalomstrecken, bei denen sich Unterschiede zwischen den Fahrzeugen und Antriebskonzepten deutlich zeigen. Erfahrene Instruktoren wie Röhrl geben dabei laufend Rückmeldung – oft per Funk direkt während der Fahrt – und korrigieren typische Fehler wie zu spätes Einlenken oder zu hektische Lenkbewegungen.
Das Ziel solcher Trainings ist nicht, aus Teilnehmern Rallyefahrer zu machen, sondern ein realistisches Gefühl dafür zu vermitteln, wo die eigenen Grenzen und die Grenzen des Fahrzeugs auf winterlichem Untergrund tatsächlich liegen – Wissen, das sich im Ernstfall auf der eigenen Winterstraße auszahlt, weit weg von jeder Rennstrecke.

Die Porsche-Modelle im Vergleich: PTM auf Eis und Schnee
| Modell | Antriebskonzept | Verhalten auf Eis/Schnee |
|---|---|---|
| 911 Carrera 4 GTS | PTM, heckbetont | Leicht und direkt, erfordert feinfühlige Gasdosierung wegen des heckbetonten Grundcharakters |
| 718 Cayman | Hinterradantrieb, kein PTM | Dient im Training als direkter Vergleich, um den Traktionsgewinn durch PTM erlebbar zu machen |
| Panamera 4 | PTM, komfortorientiert | Höheres Gewicht sorgt für mehr Laufruhe, PTM gleicht Schlupf spürbar ausgeglichener aus |
| Macan GTS | PTM, SUV-Fahrwerk | Höherer Schwerpunkt, dafür mehr Bodenfreiheit und Traktionsreserven im tiefen Schnee |
Der direkte Vergleich zwischen dem heckgetriebenen 718 Cayman und den PTM-Modellen ist im Training bewusst Teil des Programms: Erst wer erlebt hat, wie schnell die Hinterräder eines Zweiradantrieb-Sportwagens auf Eis durchdrehen, versteht wirklich, welchen Unterschied die zusätzliche Traktion an der Vorderachse macht. Gleichzeitig zeigt der Vergleich zwischen Carrera 4 GTS, Panamera 4 und Macan GTS, dass PTM kein Wundermittel ist, das alle Fahrzeuge gleich verhalten lässt – Gewicht, Schwerpunkthöhe und Reifenformat bleiben auch mit Allradantrieb entscheidende Faktoren dafür, wie sich ein Auto auf Schnee und Eis tatsächlich anfühlt.
Tipps von Walter Röhrl fürs Fahren auf Schnee und Eis
Aus jahrzehntelanger Erfahrung im Wintertraining lassen sich einige grundlegende Regeln ableiten, die für jedes Fahrzeug gelten – unabhängig davon, ob es Allrad- oder Zweiradantrieb hat:
- Geschwindigkeit deutlich reduzieren – die Reaktionszeit auf Eis und Schnee ist ungleich kürzer als auf trockener Fahrbahn.
- Gefühlvoll statt hektisch fahren: weiches Lenken, weiches Bremsen, möglichst gleichmäßiges Tempo.
- Bei einsetzendem Schlupf nicht in Panik verfallen, sondern ruhig gegenlenken – das lässt sich am besten unter sicheren Bedingungen in einem Fahrtraining üben.
- Immer auf gute Winterreifen mit ausreichender Profiltiefe achten – ohne die richtige Bereifung hilft auch das beste Allradsystem nur bedingt.
Wo du selbst ein Eis- und Schneetraining absolvieren kannst
Ein Training auf dem Niveau eines Walter Röhrl ist speziellen Veranstaltungen vorbehalten, aber das Grundprinzip ist auch für Normalfahrer breit zugänglich. In Deutschland und Österreich bieten unter anderem der ADAC, ÖAMTC und zahlreiche private Fahrsicherheitszentren eigene Wintertrainings auf präparierten Schnee- und Eisflächen an, oft mit dem eigenen Auto und unabhängig von der Fahrzeugmarke. Viele Autohersteller organisieren zusätzlich markenspezifische Fahrertrainings, bei denen die Teilnehmer die aktuellen Modelle der jeweiligen Marke – inklusive der jeweiligen Allradsysteme – unter fachkundiger Anleitung auf Eis und Schnee kennenlernen.
Wer kein spezielles Training besuchen möchte, kann ein einfaches Grundgefühl auch selbst entwickeln: ein leerer, verschneiter Parkplatz ohne Hindernisse eignet sich bei niedrigem Tempo, um in einem geschützten Rahmen auszuprobieren, wie das eigene Fahrzeug auf Bremsen, Lenken und Gasgeben bei wenig Grip reagiert. Wichtig dabei: immer mit sehr geringer Geschwindigkeit beginnen, ausreichend Abstand zu Hindernissen halten und im Zweifel lieber ein professionelles Training buchen, statt auf öffentlichen Straßen zu experimentieren.
Häufig gestellte Fragen
Macht Allradantrieb das Fahren auf Eis wirklich sicherer?
Beim Beschleunigen und Herausfahren aus Kurven schon, weil die Kraft auf mehr Räder verteilt wird und einzelne Räder seltener durchdrehen. Beim Bremsen und Lenken bringt Allradantrieb dagegen keinen Vorteil – dafür sind allein die Reifen und die Fahrweise entscheidend.
Kann ich ein Eis- und Schneetraining auch mit einem normalen Auto machen?
Ja, Wintertrainings auf präparierten Eis- und Schneeflächen werden für die verschiedensten Fahrzeugklassen angeboten, nicht nur für Sportwagen. Der Lerneffekt – ein Gefühl für Schlupf, Bremswege und Lenkverhalten bei wenig Grip zu entwickeln – lässt sich auf praktisch jedes Auto übertragen, unabhängig vom Antriebskonzept.
Wie viel bringt ein Allradsystem wie PTM gegenüber guten Winterreifen?
Die Reifen sind der wichtigere Faktor: Ein Fahrzeug mit Allradantrieb, aber abgefahrenen Sommerreifen, ist auf Schnee und Eis deutlich schlechter unterwegs als ein Zweiradantrieb-Fahrzeug mit frischen Winterreifen. Im Idealfall ergänzen sich beide Faktoren – gute Winterreifen sorgen für den nötigen Grundgrip, ein Allradsystem wie PTM verteilt die verfügbare Kraft dann zusätzlich effizienter auf die Fahrbahn.
Für wen lohnt sich ein Eis- und Schneetraining?
Ideal für:
- Fahrer in schnee- und eisreichen Regionen: Wer regelmäßig auf winterlichen Straßen unterwegs ist, profitiert direkt vom geübten Gefühl für Schlupf und Bremswege.
- Neuwagenbesitzer mit Allradantrieb: Ein Training zeigt konkret, wo die Stärken und Grenzen des eigenen Allradsystems liegen – Wissen, das die Bedienungsanleitung nicht vermitteln kann.
- Sportlich interessierte Fahrer: Wer ohnehin Freude am präzisen Fahren hat, findet im kontrollierten Grenzbereich auf Eis eine der lehrreichsten Erfahrungen überhaupt.
Weniger geeignet für:
- Fahrer, die nur gelegentlich und kurz im Schnee unterwegs sind: Hier reichen in der Regel gute Winterreifen und vorsichtige Fahrweise, ein spezielles Training muss es nicht sein.
Unser Urteil: Ein Eis- und Schneetraining, wie es Walter Röhrl seit Jahren vorführt, ist eine der wirkungsvollsten Investitionen in die eigene Fahrsicherheit im Winter – unabhängig davon, ob das eigene Auto Allrad- oder Zweiradantrieb hat. Wer regelmäßig auf winterlichen Straßen fährt, sollte ein solches Training ernsthaft in Betracht ziehen.
Fazit
Walter Röhrls Eistraining zeigt eindrücklich, dass Allradantrieb allein kein Freifahrtschein für hohes Tempo auf Schnee und Eis ist – aber ein spürbarer Sicherheitsgewinn, wenn er mit der richtigen Fahrweise kombiniert wird. Systeme wie PTM verteilen die Antriebskraft auf beide Achsen und verschaffen dadurch mehr Reserven beim Beschleunigen aus Kurven, ändern aber nichts an den physikalischen Grenzen beim Bremsen und Lenken auf glatter Fahrbahn.
Wer die eigenen Fähigkeiten und die Grenzen des eigenen Fahrzeugs auf Eis und Schnee wirklich kennenlernen will, kommt um ein praktisches Training kaum herum – ganz gleich, ob im Porsche mit PTM oder im eigenen Alltagsauto.
Weiterführende Artikel
- Porsche Traction Management (PTM) als Allradantriebssystem
- Allradantrieb: Definition, Funktionsweise und Anwendungsbereiche
- Bieten Allrad-Autos bessere Leistung bei schlechtem Wetter?
- Porsche Macan GTS
Quellen: Porsche Deutschland – offizielle Modell- und Technikinformationen, ADAC – Winterreifen-Test und Fahrsicherheitstipps.

